Kleine Geschichte der Handtasche

Frauen sind von jeher Sammler und so kann man sich gut vorstellen, dass bereits die Neandertaler-Frau vor der Frage stand, wie soll ich bloß die ganzen Beeren in die Höhle transportieren. Eine Tasche muss her!

Die Änfange

Geschichte der Handtasche

Die ersten angefertigten Taschen bestanden daher mit großer Wahrscheinlichkeit aus Häuten und wurden an einen Stock gebunden, um darin Nahrungsmittel, Feuersteine etc. zu transportieren. Im Laufe der Zeit wurden für die Beutel Gurte entwickelt, um sie um die Hüfte zu tragen. Das hatte den Vorteil, dass die Hände frei waren. Diese Form der Hüfttasche wurde von den Bewohnern des antiken Roms bis zu den Kreuzzügen getragen und zwar sowohl von Männern, als auch von Frauen. Ab dem 13. Jahrhundert wurden diese Beutel mit Metallgestellen ausgestattet, um ihnen mehr Stabilität zu geben und sie zu vergrößern. Diese Fertigungsweise setzte sich bis ins 15. Jahrhundert durch und nur durch die Verzierungen am Gürtel und dem Inhalt der Tasche war zu unterscheiden, ob sie einem Mann oder einer Frau gehörte. Während des 15. Jahrhunderts kamen erstmals zierlichere Handtaschen auf in Form des Almosenbeutels. Dieser zeugte von Reichtum und Wohlstand. Er war oft durch Perlen und Schnüre verziert und wurde an einer Kette am Gürtel befestigt. Große, derbe Beutel zeugten währenddessen von harter Arbeit und wurden hauptsächlich von Bauern benutzt. Als die Damenmode im 16. Jahrhundert voluminöser wurde, gingen Frauen dazu über ihre Habe in den Kleidern zu verstauen, beispielsweise im Muff, oder den Ärmeln. Im 17. Jahrhundert etablierte sich der birnenförmige Beutel, der von den Frauen unter den Kleidern um die Hüfte befestigt, getragen wurde. Bei den Männern wurde es immer üblicher Taschen auf den Kleidern zu haben, sodass ein Beutel für sie unnötig wurde. Damit hat sich die Frau als Taschenträgerin endgültig gegen die Männer durchgesetzt.

Die Tasche kommt an die Hand

Geschichte der HandtascheEnde des 18. Jahrhunderts werden die Damenkleider zarter, der Empire-Stil entsteht und somit entfällt die Möglichkeit, die Taschen unter der Kleidung zu tragen. Das Retikül bahnt sich seinen Weg an das Damenhandgelenk. Eine Weiterentwicklung des Stoffbeutel, feiner gearbeitet und verziert, ausgestattet mit einer Schlaufe oder einem Henkel kann es in der Hand getragen werden. In den ersten Jahren wird es von der Presse noch sehr ungnädig behandelt, aber spätestens 1805 ist es ein etabliertes Accessoire und die Frauen gehen nicht mehr ohne auf die Straße. Mitte des 19. Jahrhunderts reisen, dank des Ausbaus der Eisenbahnstrecken, vermehrt die wohlhabenden Menschen. Reisegepäck wird benötigt. Da diese Taschen robust sein müssen, werden erstmals Ledertaschen hergestellt. Diese sind meist mit Schlössern versehen und lassen den Damentascheninhalt für Männer zum immer größeren Mysterium werden. Zum Ende des Jahrhunderts wurde immer mehr Wert auf Verzierungen der Taschen gelegt, beispielsweise durch Perlen oder Metallglieder. Auch der Markenschutz wurde langsam zum Thema. Bei Luis Vuitton wurde 1896 das Logo auf die Koffer per Hand gemalt, um Nachahmungen zu vermeiden. Schließlich hatten die Reisetaschen einen hervorragenden Ruf, den es zu verteidigen galt. Männer, die bis dato oft noch die Habseligkeiten ihrer Frauen in den Jacken und Hosentaschen verstauten, wurden spätestens 1938 von dieser Aufgabe entbunden, als Elsa Schiaparelli die Laternen-Tasche auf den Markt brachte. Sie bot ausreichend Platz für Zigaretten, Make-up, Geld und Schlüssel und hatte sogar elektrisches Licht. Ein weiterer wichtiger Schritt für die Emanzipation.

Die Handtasche als Kultobjekt

Während die Frauen des Mittelalters ihr Eigentum an der Hüfte baumelnd zur Schau trugen, kann in der Moderne die Qualität und das Firmen-Logo einer Tasche Auskunft über Reichtum und Wohlstand der Frau geben. Im 19. Jahrhundert fing die Handtasche an sich als Statussymbol zu entwickeln und erreichte damit ihren Höhepunkt im 20. Jahrhundert.
Ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts hatte jedes Jahrzehnt eine Kulttasche. Angefangen mit der Haut à Courroies von Hermès, seit 1956 eher bekannt als Kelly Bag. Nachdem Grace Kelly 1956 beim Aussteigen aus einem Auto mit dieser Tasche versucht hat ihre Schwangerschaft zu verbergen, wurde sie zum Kultobjekt. In den 1960er Jahren waren es die mit Metallpailletten besetzten Schultertaschen von Paco Rabannes die Kultstatus erreichten. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts galten die Taschen von Gucci oder Fendi, mit den auffälligen Firmen-Logos und Monogrammen, als Statusobjekten und wurden somit zum Kult. Ein funktionaler Prada Rucksack und mondäne Chanel-Taschen mussten sich in den 1980er Jahren den Kultstatus teilen. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre bekam sogar jedes Jahr seine Kulttasche. 1996 waren es Kate Spades` Mehrzwecktaschen, 1998 kam man nicht an der Fendi Baguette vorbei und 1999 konnte die Prada Bowling Bag überzeugen. 2000 konnte die Luis Vuitton Etui Graffiti sich den Titel der Kulttasche des Jahres sichern. 2001 kämpften die Birken Bag von Hermès und das Modell Trailer von Jahn Galliano für Dior um den Titel der Kulttasche.
Seit dem 21. Jahrhundert scheinen der Kreativität kaum mehr Grenzen gesetzt zu sein. Immer ausgefallenere Designs und extravagante Materialien werden für neue Handtaschen-Kreationen verwendet.

Wer jetzt Lust bekommen hat sich noch weiter mit dem umfassenden Thema Handtasche zu beschäftigen, für den habe ich noch ein paar Buchtipps:

Anna Johnson; Handtaschen. Die Geschichte eines Kultobjekts, 2013
Pamela Golbin; Luis Vuitton & Marc Jacobs, 2012
Karl Lagerfeld, Carine Roitfeld; The little black Jacket: Chanel’s Classic Revisited, 2013
Jean-Claude Kaufmann; Privatsache Handtasche, 2012

Bilder: © Mrkvica – Fotolia.com, © lynea – Fotolia.com

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